Gedenkfeiern zum 92. Todestag Erich Mühsams in Berlin und Oranienburg

Am 10.07.2026 fand am Grab von Erich und Zenzl Mühsam das jährliche Picknick zum Todestag von Erich Mühsam statt.

Am Abend eine weitere Gedenkveranstaltung in der Hufeisensiedlung in Berlin- Britz am Gedenkstein für Erich Mühsam an seinem ehemaligen Haus in der Dörchläuchtingsstr. 48.

Am 11.07.2026 folgte die Demonstration in Oranienburg, zu der neben der EMG wieder viele Organisationen aufriefen. Im November 2026 wird die neue Gedenkstätte des KZ Oranienburg fertig sein, mit einer besonderen „Ecke“ mit Stein und Tafel für Erich Mühsam.

Auf allen drei Veranstaltungen sprach die Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft.

Hier der Text ihrer Rede:

Liebe Freundinnen und Freund von Erich Mühsam,

Zenzl Mühsam, die nach Erich Mühsams Tod selbst ein unfassbares Martyrium erleiden musste, schrieb in „Der Leidensweg des Erich Mühsam“:

„Jeder hinterlässt einen leichten Schatten. Aber Erich, der steht neben einem, der geht neben einem, der bleibt da.“

Dieses Zitat von Zenzl Mühsam gilt bis heute für alle, die sich mit der Person Erich Mühsams beschäftigt haben. Man wird ihn und seine Standhaftigkeit, sein absolutes Eintreten für Menschlichkeit und Frieden, seinen Kampf gegen Krieg, Unterdrückung und Militarisierung, nicht los. Und es ist diese dauerhafte Mahnung, die wir brauchen und die Erich Mühsam bis heute so unverzichtbar macht.

Wieder wird aufgerüstet was das Zeug hält, sollen junge Menschen auf einen Krieg vorbereitet werden, vorbereitet aufs Töten anderer junger Menschen. Wieder sollen wir kriegstüchtig sein. Friedensfähigkeit ist nicht gefragt, wird lächerlich gemacht, wer im Ukraine Krieg Diplomatie und Gespräche einfordert anstatt Milliarden für totbringende Waffen, der wird als Putinversteher abgestempelt.

Uns soll eingeredet werden, dass Russland im Jahr 2029 Deutschland überfallen wird. Irgendeine plausible Begründung bleibt man schuldig. Der Zweck ist nur, Angst zu verbreiten und so die Menschen zu zwingen, die vermeintlich alternativlose Aufrüstung nicht weiter zu hinterfragen.

Milliarden werden ausgegeben für totbringende Waffen. Das Geld holt man sich bei denen, die eh nicht genug haben, den Bürgergeldempfängern, den Alleinerziehenden usw. Die mit den vollen Portemonnaies bleiben wieder einmal unbehelligt. Von sozialer Gerechtigkeit von Bildungschancen für alle ist nicht mehr die Rede, wird weggespart zugunsten des Rüstungsetats.

Die Erich-Mühsam-Gesellschaft wird aus diesem Grund ihre öffentliche Jahrestagung am ersten Oktoberwochenende in Lübeck genau zu diesem Thema abhalten.

„Kriegstüchtig oder Friedensfähig – Militarisierung der Gesellschaft“

Als Überschrift Erich Mühsams Zitat :

„Wir wollen den Frieden, das ist die nächste schwere Aufgabe aller, die Menschliches wollen.“

Der Frieden ist aber nicht nur von außen bedroht, sondern ganz unmittelbar auch im Innern. Die AfD und weitere faschistische Gruppierungen greifen unsere Demokratie an. Meinungsfreiheit und Menschenwürde stehen auf dem Spiel. Deshalb ist das Gebot der Stunde: Nein sagen zu allen Bestrebungen, die sich gegen Freiheit und Gleichheit aller Menschen in unserem Land richten. Wer zu Selektion und Remigration aufruft, ist ein Nachfahre der Mörder von Erich Mühsam und Millionen anderer Menschen.

Deshalb müssen wir kämpfen, dürfen keiner Diskussion ausweichen auch wenn sie noch so lästig ist. Gelogen wird nicht, denn „Sich fügen heißt lügen.“

Erich Mühsams Handeln war stets geprägt von der Liebe zu den Menschen, vor allen Dingen zu denen, die sich am unteren Ende der Gesellschaft befinden.

Er schrieb:
„Ich weiß von allem Leid, fühl alle Scham Und möchte helfen aller Kreatur. Der Liebe such ich aus dem Hass die Spur dem Menschenglück den Weg aus Not und Gram.
Des Feinds vergiftete Geschosse umschwirren meine Seele wild. Jedoch der Mut ist mein Genosse und meine Liebe ist mein Schild“

Wir sollten uns alle bemühen um genau diesen Mut und diese Liebe.
Das sind wir Erich Mühsam und auch Zenzl Mühsam schuldig.