Rückblick auf die Erich-Mühsam-Preisverleihung am 26. April 2026

Mahnende Worte bei der Erich Mühsam Preisverleihung

Ein Artikel und Fotos von Harald Denckmann bei HL Live,
Quelle: https://www.hl-live.de/text.php?id=179159

Lübeck – Innenstadt: In einer würdigen Feierstunde vor dem voll besetzten Scharbausaal der Lübecker Stadtbibliothek wurde am Sonntagmittag der Erich-Mühsam-Preis 2026 an Professor Jens-Christian Wagner verliehen. Wagner ist Lehrstuhlinhaber an der Universität Jena für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit und leitet die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

„Auf diesen Ort hätten wir schon eher kommen können“, betonte Bürgermeister Jan Lindenau in seinem Grußwort, denn Erich Mühsam war einst Schüler des Katharineums, bevor er wegen ’sozialistischer Umtriebe‘ von der Anstalt verwiesen wurde. Trotzdem gibt es natürlich diesen lokalen Bezug und die Gesellschaft hatte zur Erinnerung an den Namensgeber einen Pappaufsteller in Lebensgröße in den Durchgang vom Scharbausaal zur Lehranstalt gestellt. Der Aufsteller mischte sich dann auch immer wieder ins Foto, als Preisträger, Musiker und Laudator sich um ihn gruppierten.

Rosemarie Bouteiller, als Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft, setzte anschließend in ihren einleitenden Worten den Akzent für die gesamte Veranstaltung. Aufrechter Gang und Haltung wurden dem Preisträger bescheinigt und man sieht in ihm einen ‚Leuchtturm für Wahrhaftigkeit‘. „Unsere Solidarität ist ihm sicher“, schloss Rosemarie Bouteiller unter großem Beifall.

„Jeder Anfang in diese Richtung ist von Übel“, betonte auch Bürgermeister Lindenau und mahnte vor dem Hintergrund vieler Beispiele aus seiner täglichen Arbeit immer klar Position zu beziehen, wenn es gegen die Würde des Menschen geht.

„Mühsam ist so aktuell wie nie“, rief auch Laudator Bodo Ramelow unter großem Beifall der Anwesenden, obwohl diese Aussage natürlich auch bedeutet, dass es um Deutschland nicht zum Besten steht.

Seine Exkurse in den Thüringischen Landtag und die dortige Konfrontation mit rechtem Gedankengut, erzeugten spürbare Nachdenklichkeit im Saal. Die Anständigen und die Zuständigen wurden aufgerufen, entschieden gegen Antisemitismus, geschichtlichen Revisionismus und Rassismus einzutreten. Ramelow bedankte sich ausdrücklich beim Preisträger für seine sprichwörtliche Sturheit und bezeichnete ihn vor dem Hintergrund seiner demokratischen Gesinnung als „Fels in der Brandung“.

„Das ist alles andere als leicht“, bekannte Preisträger Wagner in seiner Dankesrede. Nicht nur er, sondern auch seine Familie, sind den sattsam bekannten Hasstiraden in den sogenannten sozialen Netzwerken ausgesetzt, ob nun KI-gesteuert oder als Triebabfuhr der Verfasser. Er hält aber stramm Kurs, weil er das sichere Gefühl hat, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Darin wurde er von den Anwesenden mit Riesenbeifall bestätigt.

Neben dem eigentlichen Preis gab es dann natürlich noch Geschenke von erheblichem kulturellen Wert von Frank-Thomas Gaulin. Spezielle Grafiken von Erich Mühsam zur Erinnerung an diesen Tag und ein neu erschienenes Buch über Erich Mühsam und seine Frau, die Schriftstellerin Zenzl Mühsam, gab es von Rosemarie Bouteiller.

Alle bedankten sich dann noch einmal mit Riesenbeifall bei Stefan Kuchel am Saxofon und Florian Galow am Bass, die die Feierstunde mit Klängen von Horace Silver, Thelonious Monk, Dave Brubeck und dem Österreicher Joe Zawinul stimmungsvoll bereicherten.

Im Original-Ton hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit dem Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow und dem Preisträger Jens-Christian Wagner:

Tonaufnahme der gesamten Veranstaltung:

Preisverleihung am 26.4.2026 mit Reden von Rosemarie Bouteiller (Vorsitzende der Erich-Mühsam-Gesellschaft), Jan Lindenau (Bürgermeister der Hansestadt Lübeck), Bodo Ramelow (Bundestagsvizepräsident) und dem Preisträger Prof. Dr. Jens-Christian Wagner. Tonaufnahme: Harald Denckmann