Jahrestagung der Erich-Mühsam-Gesellschaft 2026

Die öffentliche Jahrestagung „Kriegstüchtig oder friedensfähig? Militarisierung der Gesellschaft“ findet statt von Freitag, 2.10. bis Sonntag, 4.10.2026
Tagungsort: ZKFL, Königstraße 42, Lübeck

Seit der 2022 ausgerufenen Zeitenwende, seit der Aussage, die Bundeswehr müsse „kriegstüchtig“ sein, ist eine Neuausrichtung des Verhältnisses von Militär, Staat und Gesellschaft zu beobachten. Sowohl in der Sprache als auch in der ökonomischen Gewichtung zwischen Militär und Sozialausgaben ist dies sichtbar. Die kontroverse Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht und kritische Stimmen von Friedensbewegungen zeigen, welche Brisanz das Thema auch im öffentlichen Diskurs inzwischen gewinnt.
Die Tagung soll die verschiedenen Aspekte der Militarisierung offenlegen und den Gedankenaustausch zu dieser Entwicklung in unserer Gesellschaft vertiefen, sowie Alternativen aufzeigen.
In sechs Vorträgen (Referent *innen angefragt) und Diskussionsrunden sollen die verschiedenen Themenschwerpunkte wie „Entmilitarisierung des Denkens“ der Zusammenhang zwischen Geld, Macht und Krieg und Chancen einer Stärkung der Friedensbewegung behandelt werden.
Die entschiedene Haltung Erich Mühsams gegen Militarisierung und Krieg wird dabei nicht nur historisch eine entscheidende Rolle spielen. Erich Mühsam: „Wir wollen den Frieden. Das ist die nächste schwere Aufgabe aller die Menschliches wollen.“
Der Vortrag am Sonntag, den 4.10.2026 soll deshalb unter dem Titel: „Erich Mühsams Einspruch“ die Tagung abschließen.

Nach Abschluss der Tagung werden die Vorträge und Diskussionsergebnisse im Heft 53 der Schriftenreihe der Erich-Mühsam-Gesellschaft veröffentlicht. Der Band wird auch die Dokumentation der Verleihung des Erich- Mühsam-Preises 2026 an Professor Dr. Jens-Christian Wagner enthalten. Jedes Mitglied und zahlreiche Universitäten und Bibliotheken in Deutschland, Europa, USA und Israel erhalten ihn. Er wird über den Buchhandel zu beziehen sein.


Programm der öffentlichen Jahrestagung der Erich-Mühsam-Gesellschaft vom 02. bis 04.10.2026 – ZKFL
Zentrum für kulturelle Forschung Lübeck Königstr. 4, 23552 Lübeck

Freitag, 02.10.26

Ort
18.30 UhrEinlassZKFL
19:00 UhrBegrüßung und Eröffnung der Tagung durch Rosemarie Bouteiller, Vorsitzende der EMG

19.15 UhrProf. Dr. Ulrich Bröckling Buchvorstellung: „Kritik der Waffen – Entmilitarisierung des Denkens“ Anschließend Interview mit Nils Louen und Diskussion
ZKFL



Samstag, 03.10.26

09.30 UhrOrtwin Schäfer: “Erich Mühsams Abrechnung mit Deutschlands Griff nach der Weltmacht – Das „Kriegstagebuch“ von 1916/1917 – Entstehungsgeschichte, Aufbau und aktuelle Relevanz“ Anschließend DiskussionZKFL
11.00 UhrKaffeepauseZKFL
11.30 UhrTobias Pflüger „Auf dem Weg in eine Militärrepublik – umfassende Militarisierung und `Kriegstüchtigmachung´ der gesamten Gesellschaft Anschließend DiskussionZKFL
13.00 UhrMittagspause
14.30 UhrJulia Engels „Wehrpflicht, Militarisierung und die Frage der Friedensfähigkeit: Perspektiven einer sicherheitspolitischen Wende“
Kurzreferat der Gruppe „Schulstreik gegen Wehrpflicht Lübeck“ Devin spricht zu „Wehrpflicht, Kapitalismus und die Bedrohungslüge“ Anschließend Diskussion
ZKFL
16.00 UhrKaffeepauseZKFL
16.30 UhrJochen Neumann: “Soziale Verteidigung und ziviler Widerstand- historische und aktuelle Beispiele und Möglichkeiten“
ZKFL
19.00 UhrGeselliges Beisammensein der Mitglieder: StadtschänkeMengstr. 23; 23552 Lübeck



Sonntag, 04.10.26

9.30 UhrMitgliederversammlung mit Vorstandswahlen (Nur für Mitglieder) Literaturort KÖ 19Königstr. 19 23552 Lübeck
11.30 UhrProf. Dr. Margot Käßmann : „Erich Mühsams Einspruch:Nicht kriegstüchtig, sondern friedensfähig“Aula: Katharineum Königstr. 27-31 23552 Lübeck
13.00 UhrEnde der Tagung





Referent*innen der öffentlichen Jahrestagung der Erich-Mühsam-Gesellschaft vom 02. bis 04.10.2026 im ZKFL Lübeck

Ulrich Bröckling .Prof. em. Dr.,geb.1959, lehrte bis 2025 Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Veröffentlichungen u.a., zur Soziologie des Krieges und militärischer Gehorsamsfabrikation, zur Kritik des Heroischen sowie zur Geschichte des anarchistischen Antimilitarismus und der Deserteure. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag „Postheroische Helden. Ein Zeitbild“ (2020) sowie, herausgegeben zusammen mit Susanne Krasmannund Thomas Lemke, das Glossar der Gegenwart 2.0.(2024). Im Herbst 2026 erscheint ebenfalls im Suhrkamp Verlag der Essay „Kritik der Waffen- Für eine Entmilitarisierung des Denkens.“

Ortwin Schäfer Jahrgang 1955 bei Gießen. Nach dem Abitur erst 2 Semester Theologiestudium, dann Studium der Psychologie an der Universität Marburg. Abschluss 1985 mit Diplom.1988-2001 Arbeit als Diplom-Psychologe in einem sozialpsychatrischen Zentrum. Von 2009 bis zur Berentung dort Leitungsstelle in der Drogenberatung. Seit der Berentung aktiv im Marburger Bündnis“Nein zum Krieg“ und Mitglied in der EMG.

Tobias Pflüger Jahrgang 1965. Politikwissenschaftler, Gründungsinitiator und Vorstandsmitglied der Informationsstelle Militarisierung (IMI)e.V. seit 1996. 2004 bis 2009 Mitglied des europäischen Parlaments, dort in der Linksfraktion GUR/NGL zuständig für den Militärbereich. 2014 bis 2022 stellvertretender Vorsitzender der LINKEN, 2017 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und dort u.a. verteidigungspolitischer Sprecher der Linksfraktion. Seit Gründung 2020 im wissenschaftlichen Beirat des Friedensinstitutes der evangelischen Hochschule Freiburg. Fest verankert in Friedensbewegung und Friedensforschung.

Julia Engels Jahrgang 1994, Politikwissenschaftlerin und promoviert zu Fragen der nuklearen Abschreckung in der internationalen Sicherheitspolitik. Sie veröffentlicht regelmäßig zu sicherheitspolitischen und völkerrechtlichen Themen mit Schwerpunkt auf Rüstungskontrolle und nuklearer Abrüstung. Ihre Arbeiten verbinden wissenschaftliche Analyse mit öffentlicher Debatte über Fragen von Krieg, Frieden und internationaler Ordnung.

Jochen Neumann war von 2004 bis Mitte 2025 Geschäftsführer der Kurve Wustrow – Bildungs – und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V. Er hat das Netzwerk „Wehrhaft ohne Waffen“ mitgegründet, im Juli 2025 dessen bundesweite Koordination übernommen und ist verantwortlich für die Modellregion Wendland sowie die Projektregion Sachsen -Anhalt.

Prof. Dr. Margot Käßmann, Jahrgang 1958, Theologin hatte verschiedene kirchliche Leitungsämter u.a. Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen.